Meditation

zen-dada * impressum

Zum Geburtstag

Unter grünen Matten liegt bald der Knochensack. Aufgedunsen, blau zerwest, bis nur der Schädel übrig ist. Das bin nicht ich, das ist nicht mein und auch kein Selbst; die Natur nimmt ihren Lauf.
Jahre, Wochen, Tage, Stunden gekämpft, etwas heiler, ganzer geworden. Die Bewertung "Leid" aufgegeben und kann nicht glücklich sein, in dieser Welt.
Sein - Gezwitscher von Spatzen, die wärmende Frühlingssonne, Mächtigkeit und Grün der Friedhofszypressen - das höchste Glück hat weder Selbst noch Ich.

Fake Guru Resources

Wikipedia zu Kumare und der Film

Wikipedia zu David wants to fly und der Film

Stripping the Gurus: Sex, Violence, Abuse and Enlightenment als PDF-Download

"Norman Einstein": The Dis-Integration of Ken Wilber als PDF-Download



Es wird ein besseres neues Jahr...


Foto: tokumei

Dharmaübertragung

Etwa 200 Jahre vor Christi Geburt kam der Dharma in China an, ab dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung gab es erste größere Übertragungen buddhistischer Texte und indische Mönche kamen als Lehrer in das Land der Mitte. Anfangs war der Buddhismus von untergeordneter Bedeutung in der chinesischen Frömmigkeit, bis er sich durch Übernahme daoistischer Praktiken und konfuzianischer Moral und Riten einen Platz unter den Religionen Chinas eroberte.

Mit dem Aufkommen des Zen im China der Tang-Zeit (618-907), wurde die Dharmaübertragung als ununterbrochene Weitergabe der Erleuchtung von Herz zu Herz legitmiert. Stammbäume wurden konstruiert, die Weitergabe der (Zen-)Lehre hängt seither von Personen ab und ist zum Alleinstellungsmerkmal geworden. Der Grund dafür war die Konkurrenzsituation zu anderen buddhistischen Schulen und damals war das sicherlich ein guter Plan. Heute hingegen wirft er Probleme für alle Beteiligten auf. Weiterführende Gedanken finden sich bei Stuart Lachs.

Die Zenlehre findet gerade Eingang in die westliche Kultur, kommt jedoch durch die personenzentierte Übertragung sehr schnell an ihre Grenzen. Der Schüler ist vom Lehrer abhängig, wenn er sich auf diese Hierarchie einlässt. Der Lehrer wird in eine Rolle gedrängt, die er vielleicht nicht ausfüllen will, im schlechtesten Fall nicht ausfüllen kann. Es gibt (zu) viele Menschen, die ihre Selbstverantwortung an der Tempelgarderobe abgeben um stattdessen den Meister anzuschwärmen, der es dann schon richten wird. Keine Frage, bei überforderten Lehrern mit himmelnder Schülerschar bleibt der Dharma auf der Strecke. Paradoxerweise ist es die Aufgabe des Lehrers seine Schüler aus dieser Abhängigkeit zu entlassen, schaffen tun das nur Wenige.

Ein anderer Weg, der hiesigen Gedankenwelt näher, ist der des kalyâna mitta, eines edlen Freundes, der auf dem geistigen Weg weiter vorangeschritten ist. Freunde begegnen sich auf Augenhöhe und ein Rat lässt sich leichter annehmen und hinterfragen, als das Wort eines Meisters, das Gesetzescharakter hat.

Erleuchtung

Das Ideal von Erleuchtung kann zu einem Hindernis werden. Durch die Vorstellung, wie ein Erleuchteter sein soll, werden unrealistische Maßstäbe an die eigene Praxis angelegt. Besser ist es, sich um die Entfaltung der Einfachheit zu bemühen.

Ein neuer Anfang

Religion und ihre Vertreter haben Interesse daran sich zu erhalten und schaffen dazu Riten, Autoritäten und Gemeinschaften. Der Buddhismus ist keine Ausnahme und setzt auf Altbewährtes. So werden Dogmen und Riten zweckfrei wiederholt, ohne das Wesentliche der Praxis vom Unwesentlichen der Orthodoxie zu trennen.

Der Buddha hinterließ kein Glaubenssystem, sondern eine Lebenspraxis. Er übernahm zwar die Idee von Karma und Wiedergeburt, sagte aber auch, dass wir nicht alles übernehmen, sondern prüfen sollen. Mit der Ankunft des Buddhismus im Westen wurden diese Konzepte tradiert, meist ohne sie zu hinterfragen.
Je nach Tradition werden andere Erklärungen für die Wiedergeburt bemüht, was den Verdacht der Spekulation nahe legt. Wenn wir die zentrale buddhistische Idee hinzunehmen, dass es kein aus sich selbst heraus existierendes Ich gibt - was soll dann wiedergeboren werden? Das für die Wiedergeburt verantwortliche Karma ist letztlich nur unpersönliches Wirken.

Die erste Lehrrede, die die Umdrehung des Rades der Lehre in Gang setzte, beinhaltet die Grundprinzipien des Dharma, keine Glaubens-, sondern Handlungsanweisungen. Sie sind so gehalten, dass sie individuell, kreativ und gegenwartsbezogen anwendbar sind.

Damit sich die Dharmaübung im Westen etablieren und kulturell integriert werden kann, sollte sie in Gemeinschaften praktiziert werden, die sich auf diese Grundprinzipien beschränken. Sie sollte nicht institutionalisiert werden, damit sie frei bleibt, sich den Umständen anzupassen, wobei das gemeinsame Ziel der Übung das verbindende Element ist.

Fortschrittsanzeige

Nehmen wir den Atem als Hauptmeditationsobjekt:
1. Das Heben und Senken der Bauchdecke werden als (jeweils) eine Bewegung wahrgenommen.
2. Durch Beobachtung wird erkannt, dass sich die Bewegung der Bauchdecke aus feineren Bewegungen zusammensetzt, die einzeln wahrgenommen werden können. Objekt und Bewußtsein bedingen einander:
3. Der Beginn der Bewegung tritt ins Bewußtsein.
4. Mit dem Ende der Bewegung vergeht das Bewußtsein davon.
5. Die Bewegung und das Bewußtsein davon hören zusammen für einen kurzen Augenblick auf. In diesem Moment beginnt der Prozess des Erwachens.

Tod

"You were sleeping?"
"No..."
"Then...?"
"No, I was practicing..."
"Practicing what?"
"Being dead."

Zen Noir @0:18:00


Der Tod ist nicht wahrnehmbar, löst keine Empfindung aus, ist kein Ereignis in der Zeit, hinterläßt keine Gedächtnisspur, ist nichts, was erlebt werden könnte, da im Tod keine Hirnfunktionen mehr bestehen, die all dies vermitteln könnten. Der Tod hat keine erfahrbaren Eigenschaften, ihm fehlt jedes Attribut der Existenz. Niemand kann seinen eigenen Tod erfahren. Er ist somit kein Ereignis des Lebens.
Reinhard Werth
Quelle: Hirnwelten, Seite 116, München (1998)

Virus

Der diesjährige Grippevirus erlegte Tokumei innerhalb weniger Stunden. Dadurch erhielt er die Gelegenheit, Unzufriedenstellendes zu durchleben, erfuhr, wie der Körper die maslowschen Bedürfnisse ablegte, um sich der Virenbekämpfung zu widmen. In ungetrübten Momenten gab es nur den Atem, und niemand, der atmet; es gab Krankheit, aber niemanden, der krank war, Wahrnehmung ohne Wahrnehmer.

Nach einer Woche kehrten die Lebensgeister zurück und Tokumei saß plötzlich wieder als Zuschauer in seinem eigenen Lebensfilm.

Achtsamkeit der Gefühle

Im zweiten Abschnitt des Mahāsatipatthāna Sutta über die Gefühlsbetrachtung, wird zwischen positiven, neutralen und negativen Gefühlen unterschieden. Gefühle sind zwar immer präsent, vor allem der neutrale Gefühlszustand wird jedoch nur selten als solcher wahrgenommen.

Ein Beispiel. Nehmen wir an, dass der normale, neutrale, Zustand die Schmerzfreiheit ist. Nun bekommen Sie Kopfschmerzen und empfinden somit ein negatives Gefühl. Wie empfänden Sie jetzt die Schmerzfreiheit? Als eine Rückkehr zum neutralen Zustand, oder als ein positives Gefühl?

Der kleine Trick, ein neutrales Gefühl mit Achtsamkeit zu kombinieren, hat zur Folge, dass aus neutralen Empfindungen angenehme Gefühle werden. Toll, oder?

Zum 24. Todestag von Yamada Mumon Rôshi

Heute vor 24 Jahren ist mein Dharma-Großvater, der Lehrer meines Zenlehrers Harada Shôdô Rôshi, morgens in seinem Tempel Reiun-in in Kyôto gestorben.

Zu seinem Andenken ist das folgende Teishô, das Mumon Rôshi im Jahr 1956 gegeben hat: "Das Zazengi des Hyakujô Zenji".

Mögen alle Wesen frei von Leiden sein!


Today, 24 years ago, my dharma grandfather, the teacher of my Zenteacher Harada Shôdô Rôshi, died in the morning in his temple Reiun-in in Kyôto.

To his memory is the following Teishô, given by Mumon Roshi in 1956: "The Zazengi of Hyakujo Zenji".

May all beings be free from suffering!

Samsara ist überall

Wenn ich die psychologischen Zustände der sechs Daseinsbereiche als Gelegenheiten zur Befreiung erkenne, dann ist es zielführend - wenn es an allen Ecken knirscht und bröckelt - sich von emotionalem und gedanklichem Ballast zu trennen.
Dies wiederum spielt sich auf der körperlichen Ebene ab: wenn ich die Wärme der Tasse spüre, die Farbe des Tees sehe, ihn rieche, schmecke - kurz: achtsam mit mir umgehe - dann erst steht mir das Hier/Jetzt offen.

Nirvana ist überall

Zum allgemeinen buddhistischen Erfahrungsschatz gehört das Wissen, dass Nirvana und Samsara identisch sind. Der hierfür nötige Perspektivwechsel erlaubt zudem, die sechs Daseinsbereiche (die jeweiligen Reiche von Göttern, Halbgöttern, Menschen, Tieren, hungrigen Geistern und Höllenwesen) nicht in vermeintlich unerfreuliche Kategorien auszusondern, sondern sie als gleichberechtigte Gelegenheiten zur Befreiung zu nutzen.

Zen und die Kunst Gefühle zuzulassen

Ich wählte die Wege von Kampfkunst und Zen, um mich nicht mit meinen Gefühlen beschäftigen zu müssen und um Anerkennung zu bekommen. Nach fast dreißig Jahren Praxis in beiden Fächern bin ich an einen Punkt gelangt, an dem die Akzeptanz der Gefühle eingefordert wird.
Es ist nicht entscheidend was geschieht, sondern meine Art des Umgangs damit. Gefühle zu unterdrücken ist nicht der Weg, sie anzunehmen und aufzuarbeiten ist der produktive Umgang damit. Gefühle zu erleben, als vergänglich anzunehmen und nicht daran zu haften hilft mir dabei, heil und ganz zu werden. Alles Unverarbeitete bleibt als sprichwörtliche Leiche im Keller und taucht immer wieder als Gespenst auf, bis es im Tageslicht seinen Schrecken verliert.

Wiedergeburt

Das Hauptanliegen des Buddhismus ist die Erfahrung des Nicht-Selbst (anatta).

Das Selbst entsteht, weil es scheinbar ununterbrochen wahrnimmt und sich durch diese Kontinuität als unabhängig wahrnimmt. Freund Gotama erkannte, dass alles miteinander verbunden ist und somit nur in Abhängigkeit entstehen kann (paticcasamuppāda). Also entsteht auch das Selbst in Abhängigkeit. Leerheit ist definitionsgemäß kein Vakuum, sondern die Erfahrung, dass nichts aus sich selbst heraus existiert. Das heißt, dass es nur ein Tun, aber keinen Täter gibt.

Der Wiedergeburt liegt das Entstehen in Abhängigkeit, die Leerheit, zu Grunde. Und jetzt kommt das Karma ins Spiel: es bedeutet wörtlich: "Wirken, Tat". Da das Karma aber wiederum keinen Täter hat, was wird dann wiedergeboren? Im Falle von Buddhas und Heiligen nichts, denn die haben den Ausgang aus dem Kreislauf der Wiedergeburt durch die Erkenntnis der Selbstlosigkeit/Leerheit genommen.

Für den Rest von uns gilt: "Karma bezeichnet ... den die Wiedergeburt erzeugenden oder Charakter und Geschick der Wesen beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen (kusala- oder akusala-cetanā) sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren. Dieser karmische Wille (kamma-cetanā) äußert sich in körperlichen Taten (kāya-kamma), in Worten (vacī-kamma) oder bloß in Gedanken (mano-kamma)."

Im Moment der Empfängnis wird ein Gefäß geschaffen, das dem karmischen Bewusstseinsimpuls erlaubt, sich zu verkörpern. Mit anderen Worten: hier nimmt ein Bewusstseinsimpuls Form an. Zu naiv? Ein anderes Erklärungsbild hilft vielleicht: der Erfindung eines neuen Geräts gehen Gedanken voraus. Aus dem Gedanken wird unter Hinzunahme von Bedingungen (Rohstoffe, Arbeiter, Maschinen) die materielle Form. Und schon sind wir wieder beim Entstehen in Abhängigkeit, der Leerheit.

In den anderen buddhistischen Schulen wird Wiedergeburt als Geistesphänomen gesehen, dessen (Gedanken-)Inhalte sich von Augenblick zu Augenblick verändern und somit Wiedergeburten von Himmel bis Hölle erleiden. Mit der Erfahrung des Nicht-Selbst wird klar, dass die Zeit nur eine Illusion ist und die Ewigkeit im Jetzt stattfindet. Damit sind die Zennis natürlich fein raus, denn sie brauchen sich keine Gedanken mehr über Vergangenheit und Zukunft zu machen. Für sie finden Himmel und Hölle jetzt statt.

Sind wir damit weitergekommen? Ich bezweifle es! Dem Buddhismus geht es um Leben, Altern, Krankheit und Tod. Das Nicht-Selbst mag wissenschaftlich erklärbar sein, damit ist das existentielle Problem des Sterbens noch nicht gelöst. Der Buddha zeigte durch die Erfahrung des Nicht-Selbst einen Weg aus dem Leiden. Wenn ich nicht leide, dann brauche ich auch diese Praxis nicht.
Wenn der Leidensdruck aber hoch genug ist, dann interessiert mich nicht, ob ich als Versuchsmaus oder Grillhähnchen wiedergeboren werde, sondern nur, wie ich meinen Hintern von der Herdplatte bekomme.

Moral und Unmoral

Aus dem vorher Gesagtem - es gibt nur die Tat, keinen Täter - folgt, dass sich die Probleme von Moral oder Unmoral nicht stellen. Dennoch gibt es die Frage nach einem moralischen Verhalten. Ein Beispiel:

Ich versprach, alle Wesen zu retten, jetzt muss ich Medikamente nehmen, die durch Tierversuche entwickelt wurden. Die Tiere sind zwar bereits für mich gestorben, aber habe ich das moralische und ethische Recht, das Medikament zu nehmen?

Ich habe diese Frage meinem Lehrer gestellt, das war seine Antwort: "... "Fühlende Wesen sind zahllos, ich verspreche sie zu befreien" - das darf nicht intellektuell werden, dann endet es im Dualismus. Dies ist nicht der natürliche Weg."

Der Hintergrund zu dieser Antwort findet sich in der "Meißelschrift vom Glauben an den Geist", ein dem dem 3. Patriarchen des Zen, Kanchi Sôsan (gestorben 606), zugeschriebenes Gedicht, hier in der Teilübersetzung von Wilhelm Gundert:

Der höchste Weg ist gar nicht schwer,
nur abhold wählerischer Wahl.
Dort wo man weder hasst noch liebt,
ist Klarheit, offen, wolkenlos.


Wenn Moral als Handlungsprinzip verstanden wird, dann ist der achtfache Pfad eine moralische Anweisung die dazu dient, die eigene Befreiung zu erleichtern. Insofern ist ein Moralkodex hilfreich, gleichzeitig aber nicht vonnöten. Was bleibt, ist beide Seiten zu verwirklichen.

Und damit stehen wir wieder in der Nicht-Dualität. Und warum sollte das nicht auch der Weg sein, aus dem Nullsummenspiel von Leben und Tod?

Luftschlösser II

Die Einsicht ist, dass es keine eigenschaftenbehaftete Erkenntnis und Grundlage gibt. Denn wenn etwas aus sich selbst heraus in Erscheinung träte, das unveränderlich ist, dann könnte es sich nicht ändern, ohne dabei zu etwas anderem zu werden.
Wenn die Leerheit festgelegte Attribute hätte, könnte sie nicht die Grundlage der Erkenntnis sein. Die Definition der Leerheit ist das Entstehen in Abhängigkeit und gerade das ermöglicht die Vielfalt der Erscheinungen.

Luftschlösser I

Die Nicht-Geteiltheit von Wahrnehmendem und Universum ist der Normalzustand, auch wenn das alltägliche Erleben deutlich widerspricht. Die Erfahrung der Nicht-Dualität kann jedoch subjekt- oder objektbetont sein.

Wenn sie subjektbetont ist, werden die Objekte, das Universum, als Teile des Wahrnehmenden erfahren.
Wenn die Erfahrung objektbetont ist, erlebt sich der Wahrnehmende als Teil des Universums.

Die dritte Art der Erfahrung ist die Abwesenheit des Wahrnehmenden. Eindruck folgt auf Eindruck, Empfindung auf Empfindung, ohne den "ewigen Zeugen", das scheinbar unabhängige Selbst, das entsteht, weil es scheinbar ununterbrochen wahrnimmt.

Wird diese Illusion beseitigt, dann zeigt sich, dass ein Gedanke abhängig von dem Vorgedanken ist und von dessen Inhalt mitgeprägt wird. Das wiederum heißt, dass es nur ein Tun, aber keinen Täter gibt.

Mit anderen Augen

A human being is a part of the whole, called by us "Universe," a part limited in time and space. He experiences himself, his thoughts and feelings as something separate from the rest—a kind of optical delusion of his consciousness. The striving to free oneself from this delusion is the one issue of true religion. Not to nourish it but to try to overcome it is the way to reach the attainable measure of peace of mind. Albert Einstein, (1879 - 1955)
Quelle: The New Quotable Einstein, p. 206 (2005)

Wie erleben sich nun aber Ihr Haustier, ein Stein, oder der Baum im Garten? Finden Sie es heraus, vielleicht treffen Sie sich dabei!

Buddhapraxis ohne -ismus

Der Buddha übergab den Menschen eine Übung und keinen Glauben: "... Also, ihr Mönche, ist der Mönch selber die Leuchte, selber die Zuflucht, ohne andere Zuflucht, mit der Lehre als Leuchte, mit der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht. ...". Anders gesagt, er hat die Praxis aus dem Kopf in den Körper verlegt und somit die Erfahrung für jeden zugänglich gemacht.

Die Praxis beginnt mit dem Eingeständnis, dass es im Leben Nichtzufriedenstellendes, Dukkha, gibt. Dieses Übel wird durch Loslassen der Gier, die Dukkha zu Grunde liegt, überwunden. Wie das funktioniert, ist in den Vier edlen Wahrheiten, dargelegt.
Diese Wahrheiten sind keine in sich abgeschlossenen Stufen, die zusammen als "Weg" bezeichnet werden können; sie erscheinen gleichzeitig und sind somit ein Prozess, der jeden Moment stattfindet - wann auch sonst?
Zur Hilfestellung hat der Buddha verschiedene Techniken in Umlauf gebracht, deren Erfolg jeder selbst erfahren kann, ohne dass es dazu Glauben, Karma, Wiedergeburt, Bimmel, Räucherstäbchen oder anderen Schnickschnacks bedarf, der mit dem Import der verschiedenen Erwachensschulen als kulturelle Folklore Einzug hielt.

Wussten Sie eigentlich, ...

... dass die Realität nur jetzt stattfindet und es weder Zukunft noch Vergangenheit gibt?

見性成佛 kenshô jôbutsu - Die eigene Natur sehen und Buddha werden

Was sehen wir, wenn wir uns in die eigene Natur blicken? Zunächst einmal nicht den konventionellen Ich-Mir-Mich-Mein-Komplex, sondern dessen erweiterte Fassung mit all den Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck-, und Fühl-Erlebnissen, die gerade noch außen waren und nun auch nicht innen sind.
Durch die Überwindung jeglicher Trennung offenbart dies alles seine Buddhanatur und tritt damit unmittelbar mit allem anderen in Beziehung, ohne die eigenen Eigenschaften zu verlieren. Nun ist Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen ohne Bewertung. Jeder Moment wird direkt erlebt und das Handeln geschieht ohne subjektive Verzerrung der Wirklichkeit. Und nebenbei sind auch noch alle Wesen befreit;-)

Zustände

Was geschieht, wenn wir das, was wir sehen, sehen, ohne es zu benennen?
Was geschieht, wenn wir das, was wir hören, hören, ohne es zu benennen?
Was geschieht, wenn wir das, was wir riechen, riechen, ohne es zu benennen?
Was geschieht, wenn wir das, was wir schmecken, schmecken, ohne es zu benennen?
Was geschieht, wenn wir das, was wir fühlen, fühlen, ohne es zu benennen?
Was geschieht, wenn wir das, was wir denken, denken, ohne es zu benennen?

Form

Gedanken entstehen in Abhängigkeit von inneren und äußeren Bedingungen. Sie verändern sich und sind Objekte, die das ebenfalls bedingte Geistbewußtsein wahrnehmen kann. Auf diese Weise funktionieren alle Sinne.
Als Ausweg aus dieser abhängigen Natur der Daseinphänomene, findet Meditation nicht im Kopf, sondern im Körper statt; dort muss sie ihren Ausdruck finden.
Folglich gibt es Haltungen, die den Meditations-"Erfolg" ermöglichen. Erst durch deren beharrliche Überprüfung und Korrektur kann das Leben jeden Augenblick neu verkörpern.

Kunst


Bild: tokumei

Neulich fand ich mich, vor einer leckeren Pizza sitzend, in ein Gespräch über moderne Kunst verwickelt wieder. Das Thema zählte bislang nicht zu meinen ausgeprägten Stärken. Da mich meine eigenen Malversuche eher depressiv werden ließen, begab ich mich auf die Pirsch und stieß auf Piet Mondrian. Bilder im Stile Mondrians lassen auch mich als Doppellinkshänder Erfolg erleben - anfänglich.
Ich las mich ein und stellte fest, dass es nicht ganz so einfach ist: die Bilder sind konstruiert, nach wenigen Regeln aufgebaut und sollen durch strenge Vereinfachung die reine Realität darstellen.
Bei der Pizzaunterhaltung ging es darum, ob wir durch die Augen des Malers sehen und den "Zustand" erfahren können, in dem er seine Bilder gemalt hat.
Ich denke die Antwort ist ja. Ähnlich wie bei der Kôanschulung ist auch hier die Übung der Schlüssel zum Verständnis, nicht nur des Bildes, sondern auch des Künstlers.

Bewusstsein

Jedes Bewußtsein, das sich als Nicht-Ichheit erkennt, hat sich oder eine seiner in Abhängigkeit entstehenden Bedingungen aus diesem Prozess des abhängigen Entstehens entfernt, damit es zu sich selbst erwachen kann.

Der sechste Sinn

Der Buddhismus lehrt, dass das Geistbewußtsein ebenso bedingt entsteht, wie die anderen fünf Bewußtseine auch. Das ist bemerkenswert, weil damit das Geistbewußtsein nicht außerhalb steht und beobachtet, sondern immer am Geschehen beteiligt ist.

Selbst oder Nicht-Selbst

Auf die Frage nach dem Selbst verfiel der Buddha in Schweigen, da die Antwort darauf nicht weiterhilft, Nichtzufriedenstellendes - Dukkha - zu vermeiden.

Wir können nur deshalb nicht auf ein Selbst zeigen, weil es nur in Beziehung zu Personen, Eigenschaften, Umstände oder Sachen erscheint. Wenn wir diese Dinge loslassen und somit die Ursachen entfernen, kann die Freiheit erlebt werden, in der sich die Frage nach einem Selbst nicht mehr stellt.

Bodhidharma

教外別伝kyôge betsuden
不立文字furyû monji
直指人心jikishi ninshin
見性成佛kenshô jôbutsu

Eine besondere Überlieferung außerhalb der Schriften.
Unabhängig von Worten und Zeichen.
Direkt auf das Herz des Menschen zeigen.
Die (eigene) Natur sehen und Buddha werden.


Bodhidharmas Definition des Zen ist zugleich die Latte, an der sich das tägliche "Buddha werden" messen lassen muss.
Vordergründig ist es eine einschränkende Beschreibung, denn Zen kann nur erfahren werden. In der Tiefe offenbart sich die innere Dimension, wie das Wirken eines Buddhas vor sich geht. Ganz konkret: wie er mit seiner Umwelt, seinen Mitmenschen und sich selber umgeht. Er findet sich in den zehntausend Dingen unterschiedslos wieder und indem er auf andere deutet, zeigt er nur auf sich selbst. Er kann keine Unterschiede mehr machen und wenn er hilft, dann wieder: nur sich selber. Er ist der Mensch gewordene anfangslose Ursprung, der selbstvergessen in allen Dingen lebt.

Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Matthäus 7,20

Die Rosine der Achtsamkeit...


Foto: lara604

...ist in aller Munde. Die Frage ist nur, wie funktioniert sie?

Freund Gautama empfahl die vier Betrachtungen, nämlich Körper-, Gefühls-, Geist- und Geistobjektbetrachtung, als Objekte der Achtsamkeit. Näheres finden Sie im Palikanon.

Die grundlegende Technik ist das reine Beobachten, ohne dass das Beobachtete bewertet wird. Diese aufnehmende Haltung bewirkt eine Trennung von Beobachtendem und Beobachtetem: Ich bin weder Körper, Gefühl, Geist oder dessen Inhalt. Und ich bin weder ein aus sich selbst existierendes, in die Welt eingreifendes Ich, noch ein passives, erleidendes Selbst. Was aber bin ich?

Die kurze Ewigkeit, in der die Einheit alles Seienden in einer Person verstanden wird, wird Erleuchtung genannt. Das Universum erlebt, sieht, hört, fühlt und riecht sich selber, mal etwas mehr, mal weniger.

Und damit sich die All-Einheit schmecken kann, dazu gibt es die Rosine.

Klosterregeln II

Die Gepflogenheiten in einem Zenkloster sind sicherlich gewöhnungsbedürftig. Der Tag ist durchgeplant und der Mönch wird beschäftigt gehalten. Dies möglichst ununterbrochen, damit er sich keine Gedanken über den Sinn des jeweiligen Tuns macht und sich vollständig seiner Übung widmet.
Nun hat die Wissenschaft Hinweise dafür, warum dieses Vorgehen funktioniert:
As a last inspiration, please add to this an astonishing finding that scientist revealed in 2008. Using a fMRI study they were able to show that the outcome of a decision can be encoded in brain activity of prefrontal and parietal cortex up to 10 seconds before (!) it enters awareness. [Soon CS et al. Unconscious determinants of free decisions in the human brain. Nat Neurosci. 2008 May]

Gurkensalat

Die Gurke hat weder Anfang noch Ende, wo schneidest du sie an?

Absolute Wahrheit

Erst wenn die eigene Meinung stirbt, kann die absolute Wahrheit in Erscheinung treten.

Buddhistisches Haiku in englischer Übersetzung

I me mine I
Me mine I me mine
Me mine - MU!

Geburt und Tod

Es gibt Geburt und es gibt Tod, beides ist unzertrennlich miteinander verwoben. Wenn du geboren bist, wie kannst du sterben?

Behandle alles mit Respekt:

Mensch und Tier, Pflanze und Maschine, jedes Fühlende und jedes Nichtfühlende; denn nichts davon gehört dir und doch bist du das - Alles.

Überzeugungen,

Ängste, Denken, Gefühle und das gesamte psychische Makeup verstellen die Erfahrung der Wirklichkeit. Was bleibt, wenn es abgelegt ist?

Meditationsdemokratisierung

Von Hause aus sehe ich mich der japanischen Variante des Rinzai-Zen verbunden, mit allem was dazu gehört: Kloster, Keisaku, Rôshi. Ich bin dankbar dafür, dass sich dieser Weg für mich öffnete, und den Menschen, denen ich dabei begegnet bin. Allerdings denke ich, dass sich die Form im Westen stärker ändern muss, als es bislang geschehen ist. Insbeondere wird der Titel "Zenmeister" inflationär ge- und missbraucht. Darüber haben andere schon geschrieben und natürlich sollte sich hier etwas ändern.
Wie sehen nun die möglichen Alternativen aus?

Die Mutter aller Selbsthilfegruppen, die Anonymen Alkoholiker, sind anarchisch, herrschaftslos, aufgebaut. In der 2. Tradition heißt es: "... Unsere Vertrauensleute sind nur betraute Diener; sie herrschen nicht." Das birgt die Möglichkeit, voneinander als Gleicher unter Gleichen zu lernen.
Zudem sind die 12-Schritte ein spirituelles Programm, das ohne hauptamtliche Seelenhelfer auskommt. Das liest sich böser, als ich es meine. Jeder gute Lehrer versucht, seine Schüler auf die eigenen Füße zurückzustellen und nicht, sie in Abhängigkeit zu halten. Der Schüler muss das natürlich mitmachen; es ist ja so einfach, sein Seelenheil - und damit die Verantwortung dafür - in fremde Hände zu legen und beides dort zu belassen. Viele suchen sich deshalb Strukturen, die diese Haltung begünstigen, mit allem was daraus folgt!

Ein Beispiel, wie es anders geht, zeigt die Website www.minimal-zen.de. Etwas anders ausgerichtet ist www.publicmeditation.de. Diese Formen sind Alternative für Suchende, die sich auf das Abenteuer der Selbsterkundung einlassen wollen und auf das exotische Gebimsel drumherum verzichten können.
Wie steht es mit Ihnen?

Schweigsamkeit

Je länger ich den Weg beschreite, desto weniger weiss ich darüber zu sagen.

Auf Leben und Tod

Gewöhnlich verstellt der Tod die Sicht auf das Leben, wer beschäftigt sich schon gerne mit diesem Thema? Die Bereitschaft, in jedem Moment zu sterben (Sie bemerken die Doppeldeutigkeit), ist die Voraussetzung dafür, dass die Sicht sich klärt. Plötzich wird klar, dass noch etwas zu tun ist. Erst wenn diese Aufgabe erfüllt, wenn das Leben rund ist, dann erkenne ich, wozu ich diesen Platz einnehme, diesen Planeten mitbevölkere, den Sinn meines Lebens.

Wahrnehmung

Bewusstsein steigt auf in Übereinstimmung mit jedem Objekt, welches erkennbar wird. Wenn da ein Objekt ist, dann steigt Bewusstsein auf. Falls kein Objekt da ist, steigt kein Bewusstsein auf.

(Consciousness arises in accordance with each object that becomes evident. If there is an object, there arises consciousness; if there is no object, no consciousness arises.)

Mahasi Sayadaw (1904 - 1982)

Der Buddha erkannte, dass die Wahrnehmung von "ICH", Persönlichkeit und Seele Täuschungen sind. Und dass Bewusstsein und Objekt einander bedingen. Wenn es kein "ICH" gibt, wer hat dann Bewusstsein? Alle Wahrnehmung ist demnach ebenso Täuschung, da sie einen Wahrnehmenden voraussetzt, den es aber nicht gibt.

Wo oder wer ist das- oder derjenige, welches/welcher erkennt?

Der Nachbar

Stell Dir vor, Du lebst in einem Haus, kennst alle Nachbarn, nur den einen, der ganz oben links die Wohnung hat, den kennst Du nicht.

Du triffst ihn, er ist weiß und schwarz und rot und gelb. Du kennst ihn genau, erkennst ihn aber nicht. Und Du? Du redest viel und bist sprachlos!? Er nicht.

Eines Morgens wachst Du auf und er stellt sich vor.

Stell Dir vor, Du lebst.

Geistgewirkt

Das Bewusstsein ist ein Prozess, mit wechselnden Objekten identifiziert, und weder Innen noch Außen. Die Gefangennahme des Bewusstseins geschieht, wenn es sich seiner selbst gewahr wird. So ist die Welt ein Konstrukt des festlegenden Geistes. Wenn er sich auflöst, lösen sich seine Begrenzungen, der Prozess befreit sich und alle Dinge gehen mit-in-einander auf.

Von der Sucht

Jede Sucht endet tödlich, egal ob Alkohol- oder Nikotinsucht, Essstörungen oder prozesshafte Süchte wie Medien-, Glücksspiel-, Einkaufssucht oder (sie wird auch gerne genommen und ist verbreiteter als geglaubt:) die Coabhängigkeit.
Wer länger leben will, sucht sich eine Sucht, die nicht in absehbarer Zeit hinrafft. Der geistige Tod hingegen findet früher statt, wenn wir unser Tun nicht mehr kontrollieren können.

Wir haben die Freiheit zur Abstinenz. Zuerst von unserem süchtigen Verhalten, unseren Suchtmitteln. Danach von uns selbst. Die Abstinenz ist ein Weg in die Freiheit. Statt verhärtet dem Leben Widerstand bieten, können wir durchlässig werden, Grenzen auflösen und in den Dingen verwehen.

Vom Kämpfen

Bisher erlebte das abgetrennte ICH sein Leben als Wettstreit, es musste sich vieles mühsam erkämpfen und ernährte sich von Ängsten, Ungeduld oder unerfüllten Wünschen. Das Leben wird schwerer und unkontrollierbarer, je mehr Anstrengung das ICH aufbringt, um gegen das Dasein anzukämpfen, um sich selbst zu schützen.

Nachdem es dies erkannt hatte, begann es seine Charakterfehler, soweit möglich, zu beseitigen. Natürlich ist es damit noch nicht fertig (wird es das jemals werden?), es gibt Rückfälle, aus denen es jedoch schneller lernt als zuvor. Das ICH will nicht mehr kämpfen. Und die Ergebnisse sprechen für sich, denn je weniger es sich in den Fluss der Dinge einmischt, desto ruhiger fließt der Lebensstrom.

Sich dem Lebensfluss anzuvertrauen und die Dinge geschehen zu lassen, diese Möglichkeit haben wir in jedem Moment. Die gegenwärtigen Umstände sind das Ergebnis vergangener Taten. Wenn ICH morgen ein anderes Leben führen will, dann muss ICH mich heute - jetzt - verändern und mir erlauben das ICH ein wenig kleiner werden lassen.

Zenmeditation

Der Prozess der Veränderung kann durch Üben, durch Sitzen in Stille begonnen werden: der Geist ist leer, frei von konditionierten Verhaltensweisen, bereit anzunehmen, offen gegenüber allen Möglichkeiten. Durch Zen lernt man, sich inmitten der Alltagshektik auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Zen ist Alltagsspiritualität, frei von Glaubensvorstellungen führt es zu erhöhter geistiger Beweglichkeit, Wachheit, Klarheit und Achtsamkeit. Meditation hat also nichts mit Rückzug aus der Realität zu tun, sondern ist im Gegenteil eine aktive Auseinandersetzung damit!

Kausalität

Aus einem Gespräch:
Das einzige, was durchgehend anwesend ist, ist ICH.
ICH ist das Zusammenkommen von Zeit und Raum in der Leerheit.
ICH ist der Grund für alles, was ICH erlebe.
ICH ist das Ergebnis einer Schlussfolgerung aus scheinbaren Gründen.

Gedanken an Leben und Tod ...

... sind geistige Onanie. Jeder Gedanke verhindert das Erleben der Wirklichkeit. Ein toter Mönch sagte: "Werde zum Trottel", ein anderer rät: "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen."

Der Sterbeprozess

Soweit nichts anderes geschieht gehe ich davon aus, dass der Sterbeprozess so verläuft, wie ich ihn erlebt habe: Körper und Geist sind Nicht-Zwei, deshalb wird sich der Geist in dem Maße ausweiten, in dem das Körperbewusstsein aufhört. Außen und Innen sind geistgeformt und EINE Wirklichkeit, in die der Geist verweht und zu Allem wird. Durch seine Auflösung in das Namenlose nimmt er Gestalt an und wird frei von allen Begrenzungen.

Wie Schnee in einer Silberschale

Dunkelheit ist eins mit den Dingen. Licht stört die Dunkelheit nicht, sie selbst zu sein, ebenso wenig stört die Dunkelheit das Licht. Beide sind absolut in ihrem Sein.
Dunkelheit ist eins mit mir, warum fällt es mir so schwer, eins mit der Dunkelheit zu sein? Bin ich verschieden von, oder gleich mit, der Dunkelheit? Die richtige Antwort nutzt nichts.
Was Sie hier lesen ist meine Wirklichkeit - im besten Fall -, oder vielleicht mein Traum, auf jeden Fall nicht Ihrer. Und was nutzt es Ihnen, wenn Sie in Ihrem Traum meinen Traum träumen?

Shikuseiganmon - 四句誓願文

衆生無邊誓願度Shu Jo Mu Hen Sei Gan Do
煩悩無尽誓願断Bon No Mu Jin Sei Gan Dan
法門無量誓願学Ho Mon Mu Ryo Sei Gan Gaku
仏道無上誓願成Butsu Do Mu Jo Sei Gan Jo

Zahllos sind die Lebewesen, ich gelobe sie zu retten.
Unerschöplich sind Gier, Hass und Verblendung, ich gelobe sie zu beenden.
Unzählig sind die Dharmas, ich gelobe sie zu meistern.
Unübertroffen ist der Weg des Buddha, ich gelobe es zu werden.


Im Mahayana-Buddhismus nehmen die "Vier Bodhisattvagelübde" eine zentrale Rolle ein. Wichtig ist aber nur das erste Versprechen, der Rest erübrigt sich, denn die Gelübde werden gleichzeitig erfüllt: Da es weder Innen noch Außen gibt, existiert auch kein Unterschied zwischen allen Wesen und uns. In dem Moment, indem wir zur Quelle allen Seins erwachen, beenden wir Gier, Hass und Verblendung, haben alle Lehren gemeistert und werden Buddha. Dies ist der einzige Weg, die unpersönliche Erkenntnis, dass alles bereits erwacht ist, es immer so war und nichts davon ausgeschlossen ist.

Tierische Meditation

Haben Sie bereits mit Ihrem Haustier meditiert? Nun, ich tue es mit Kessy, der Haus- und Hofkatze. Sie macht es sich auf meinen Beinen bequem, ich halte sie und dann wird es wild: unsere Atemfrequenz gleicht sich an, bis wir in einem Rhythmus atmen. Wir schwingen uns aufeinander ein - Meditation verbindet so auf natürliche Weise. Sie bewirkt auf beiden Seiten mehr Achtsamkeit, schafft Vertrauen und ermöglicht einen anderen Umgang miteinander. Zumindest aus meiner Sicht;-)

Warum Katzen Buddhisten sind

Katzen machen gutes Karma, und zwar für alle Beteiligten. Die Katze gibt ihr Fell her, damit wir ihr Gutes tun, was positives Karma auf der Katzenseite ergibt. Und wenn wir diese Chance ergreifen, den Vierfuß füttern, das Fell bügeln, Pelzreste entfernen, die wir ausgewürgt auf dem Boden finden und ihm emotionale Wärme zukommen lassen, dann erhöht sich der Punktestand auf unserem Karmakonto.

Katzen wissen um diesen Umstand, deswegen gibt es sie überhaupt. Sie sind allesamt erleuchtet und spiegeln den Gemütszustand ihrer Mitbewohner wieder - manchmal wenigstens - der nur sich selbst erkennt. Wenn überhaupt. Katzen sind weise Lehrer, die manchmal zag- ein andermal schmerzhaft zu verstehen geben: Katz' und Mensch sind ungetrennt.

Haben Katzen Buddhanaturen? Das kommt drauf an: Was sehen Sie, wenn Sie ihr in die Augen schauen?

12-Schritte-Meditation

Die 12-Schritte-Meditation ist aus der Idee hervorgegangen, das 12-Schritte Programm der Anonymen Alkoholiker mit der Meditation zu verbinden.

Die 12-Schritte-Meditation ist offen für all jene, die sich in einer Lebenskrise befinden oder einfach mit dem Leben unzufrieden sind und darunter leiden. Dieses Meditationsprogramm gibt uns die Möglichkeit an die Hand, uns mit unseren Problemen auseinanderzusetzen und offen für ihre Lösungen zu werden.

Die 12-Schritte-Meditation ist mit keiner Sekte, Konfession, politischen Anschauung, keiner Organisation oder Institution verbunden, will sich weder an öffentlichen Debatten beteiligen, noch zu irgendwelchen Streitfragen Stellung nehmen. Die Gemeinschaft kennt keine Mitgliedsbeiträge oder Gebühren, sie erhält sich durch eigene Spenden.
Wir sind zwar selbständig, sollten aber immer mit allen 12-Schritte Genesungsprogrammen zusammenarbeiten und dabei in allen Belangen die 12 Traditionen beachten.


Werkzeuge

Meditationsanleitung
Wir sitzen mit geradem Rücken auf einem Stuhl oder Hocker, oder mit gekreuzten Beinen auf einem Kissen auf dem Boden. Dabei bilden Nase und Bauchnabel und Ohren und Schultern jeweils eine Linie. Nun gebrauchen wir die Bauchatmung, zählen unsere Atemzüge von eins bis zehn und wiederholen dies so lange, bis wir bei uns angekommen sind. Dabei halten wir die Augen geöffnet und den Blick auf eine etwa einen Meter entfernte Fläche gerichtet.

Dann nehmen wir eine der vorgeschlagenen Fragen auf und bringen sie mit dem Ausatmen zusammen, indem wir die Frage still für uns im Geist wiederholen. Zu Anfang werden wir nach einer Antwort auf diese Frage suchen. Sie wird aber von selbst kommen, wenn wir nur bei der Frage bleiben.

Einige der Fragen scheinen einfach und die Antwort darauf "logisch" zu sein. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir diese Antwort zu unserer nächsten Frage machen und darauf hören sollten, was unsere höhere Macht uns sagen will.


12 Schritte & Fragen

1. Wir gaben zu, keine Macht über unser Leben zu haben - dass unser Leben nicht mehr zu meistern war.
a) Was bedeutet Machtlosigkeit?
b) Wie gaben wir unsere Machtlosigkeit zu?
c) Wer bin ich?

2. Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
a) Was ist eine Macht, größer als wir selbst?
b) Wie kamen wir zu diesem Glauben?
c) Wer kam zum Glauben?

3. Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Obhut einer höheren Macht anzuvertrauen.
a) Was bedeutet dieser Entschluss?
b) Wie geschah dieser Entschluss?
c) Wer kam zu diesem Entschluss?

4. Wir machten eine eingehende und furchtlose innere Bestandsaufnahme von uns selbst.
a) Was bedeutet innere Bestandsaufnahme?
b) Wie geschieht die innere Bestandsaufnahme?
c) Wer macht die innere Bestandsaufnahme?

5. Wir gaben der höheren Macht, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber offen unsere Fehler zu.
a) Warum der höheren Macht, uns selbst und einem anderen Menschen?
b) Wie betrachten wir unsere Fehler?
c) Wer gab die Fehler zu?
d) Welche Fehler?

6. Wir waren vorbehaltlos bereit, alle diese Fehler in unserem Charakter von unserer höheren Macht beseitigen zu lassen.
a) Was sind Charakterfehler?
b) Wie geschieht das?
c) Wer beseitigt die Charakterfehler?

7. Demütig baten wir sie, unsere Mängel von uns zu nehmen.
a) Was bedeutet Gebet?
b) Wie beten wir?
c) Wer betet?
d) Welche Mängel?

8. Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten und wurden bereit, ihn bei allen wieder gut zu machen.
a) Was bedeutet Wiedergutmachung?
b) Wie geschieht Wiedergutmachung?
c) Wer leistet Wiedergutmachung?
d) Welchen Schaden?

9. Wir machten direkt bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war -, es sei denn, dadurch würden sie oder andere verletzt.
a) Wann geschieht die Wiedergutmachung?
b) Wer entscheidet darüber?
c) Wer leistet Wiedergutmachung?

10. Wir setzten die Bestandsaufnahme von uns selbst fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
a) Was bedeutet die Fortsetzung der Bestandsaufnahme?
b) Wie geschieht das?
c) Wer setzt die Bestandsaufnahme fort?

11. Durch Gebet und Meditation suchten wir unsere bewusste Verbindung zu unserer höheren Macht zu vertiefen. Wir baten nur darum, uns ihren Willen erkennbar werden zu lassen, und um die Kraft, ihn auszuführen.
a) Was ist eine bewusste Verbindung zu einer höheren Macht?
b) Wie erkennen wir den Willen der höheren Macht?
c) Wer erkennt was?

12. Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an andere Menschen weiterzugeben und in allen unseren Angelegenheiten danach zu leben.
a) Was ist spirituelles Erwachen?
b) Wie geschieht das Erwachen?
c) Wer erwacht wozu?


Gelassenheitsgebet
Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Zur Vorbereitung ...

... auf den letzten Atemzug liegen Sie idealerweise im Bett. Die Beste Zeit dafür ist der Morgen nach dem Wachwerden.
Verfolgen Sie Ihre Atmung und lassen Sie einen der Atemzüge natürlich enden und atmen Sie nicht mehr bewußt ein. Nach einer Weile werden Sie das Bedürfnis haben, wieder Luft zu holen. Tun Sie das in ganz kleinen Atemzügen, die Sie selbst kaum bemerken. Der Körper holt sich den Sauerstoff zur rechten Zeit, deswegen können Sie ganz der Beobachtung dessen widmen, was gerade passiert:
Verändert sich die Wahrnehmung?
Haben Sie vor dieser Übung Angst?
Wovor haben Sie Angst?
Löst sich die Angst auf?
Freuen Sie sich?
Beruhigt Sie die Übung?

Achten Sie bitte auf jede Regung, mit dem sich Ihr Geist bemerkbar macht, und arbeiten Sie damit. Es lohnt sich und ist eine Investition in Ihre Zukunft.

Erwachen

Wir werden wach und klar geboren und dann eingeschläfert, indem wir zu einer Identität konditioniert werden. Daraus zu erwachen heißt, die Gefühle, Wünsche und Abhängigkeiten zu durchschauen. Diese Erfahrungen gibt es weiterhin, wir definieren uns nur durch sie nicht mehr.

Wenn sich die Identität auflöst, dann ist dieser Prozess mit Trauer und Unsicherheit verbunden. Der einzige Weg dieser Angst zu begegnen ist: solange gegen sie anzukämpfen, bis wir endlich kapituliert werden können. Denn solange es noch die kleinste Aussicht zu gewinnen in unserem Geist gibt, werden wir nicht aufgeben. Die Kapitulation geschieht nicht freiwillig; andererseits: wer zwingt uns, gegen die Angst zu kämpfen?

Der Moment der absoluten Niederlage ist die Voraussetzung für unsere Freiheit. Wir sind zur Angst geworden und haben sie so ausgelöscht, wir haben UNS, unsere Identität, ausgelöscht.
Jetzt erst können wir Gefühle, Wünsche und Abhängigkeiten durchschauen. Diese Erfahrungen gibt es weiterhin, wir definieren uns nur durch sie nicht mehr.

Vor und nach dem Erwachen ...

... gibt es die Erfahrung von Gefühlen. Der Unterschied ist nur, dass sie hinterher durch-schaubar sind.

Lachen und Weinen

Tränen weinen nur um ihrer selbst, das Universum lacht in allen Dingen.

Stille

Augen taub, Ohren blind - Stille.
Stein macht Kreise, Wind macht Wellen - geschaffen aus der Stille.

Zuflucht

Der Erhabene sprach also: "Selber die Leuchte, ihr Mönche, sollt ihr sein, selber die Zuflucht, ohne andere Zuflucht, mit der Lehre als Leuchte, mit der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht. Wie nun aber, ihr Mönche, ist der Mönch selber die Leuchte, selber die Zuflucht, ohne andere Zuflucht, mit der Lehre als Leuchte, mit der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht?

* Da wacht, ihr Mönche, der Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
* wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
* wacht beim Gemüte [citta, Bewusstsein] über das Gemüt, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
* wacht bei den Erscheinungen (dhamma) über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.

Also, ihr Mönche, ist der Mönch selber die Leuchte, selber die Zuflucht, ohne andere Zuflucht, mit der Lehre als Leuchte, mit der Lehre als Zuflucht, ohne andere Zuflucht. Wandelt, ihr Mönche, die Bahn entlang, auf eurem väterlichen Gebiet: die Bahn entlang wandelnd, ihr Mönche, auf eurem väterlichen Gebiet, seid ihr dem Tod unzugänglich, seid ihr dem Tod unerreichbar."

Vertrauen

Die Welt ist Geist geformt und sie ist Geist - Ursprung und Ziel allen Seins.

Vertrauen braucht Demut. Getäuschtes Vertrauen braucht Demut. Die eigenen Grenzen so durchlässig werden zu lassen, dass Ent-täuschung nicht verletzt, braucht Demut.
Vertrauen in andere Menschen ist zunächst Vertrauen in dich selbst.
Wie dich selbst, so liebe deinen Nächsten: akzeptiere das in dich gesetzte Vertrauen der Menschen nicht. Mache dich zum alleinigen Maßstab, denn somit bist du vielleicht der Anlass für Andere, sich verletzt zu fühlen, niemals aber der Grund dafür.

Bewegung

Bewegen Sie sich unabhängig? Ich behaupte, dass die meisten Menschen das nicht tun. Sie telefonieren beim Gehen und Fahren, oder sind in Gedanken weit entfernt, wenn sie sich den Tisch abräumen.
Mit zunehmender Bewußtheit auf eine Sache - Gehen - verändern sich die Bewegungsmuster, sie kommen in der Gegenwart an. Das ist nicht nur seh-, sondern auch fühlbar, denn solche Individuen ziehen die Blicke auf sich und sind sich dessen bewußt. Die freigewordene Gedankenenergie kann nun auf das gelenkt werden, was sich vor ihrer Nase abspielt.

Verletzungen

Körper und Geist sind eine Einheit und wenn ein Teil Schaden nimmt, ist alles andere davon auch betroffen.
Verletzungen stärken die Vorstellung einer unabhängigen Persönlichkeit, weil sie als von außen kommend erlebt werden. Wenn ich in Harmonie mit den Umständen bin, entsteht keine Unterscheidung. Die einzige Person, die mich verletzen kann, bin ich selbst.

Religiöse Erziehung

Der Vater kommt mit seinem Sohn auf dem Arm in die Kirche. Er geht zum Weihwasserbecken, schlägt ein Kreuz und hilft dem Kind dabei, es ihm gleich zu tun.
Eine Woche später will der Kleine mehrmals ins Wasser greifen, und er lernt, dass die Kerzen an diesem Ort etwas kosten.
Das Flackern fasziniert ihn mehr, als die Majestät des Raumes, in dem er ist, der ihm näher ist und der ihm entfernt wird - mit jedem Besuch ein bisschen mehr.

Gemeinschaft

Vor Kurzem las ich am Ende eines Artikels, dass der Sinn des Zusammenlebens darin bestünde, sich nahtlos in eine Gemeinschaft einzufügen.

Wenn sich diese Grenze zwischen mir und den Anderen, den Umständen an sich, langsam auflöst, dann kann ich die Nichtunterscheidung zwischen Außen und Innen wahrnehmen, ohne dies im Geist zu kommentieren.
Es gilt, mein Allsein zu erkennen und anzunehmen, dass ich bin, was ich sehe, rieche, fühle, schmecke, denke. Dieser Zustand der Freiheit ist jedem zugänglich, wir müssen uns nur vor dem Rückfall in die Illusion eines ICH hüten.

Sterben

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie heute sterben müssten?
Machen Sie eine Liste und arbeiten Sie daran, die Anzahl auf Null zu reduzieren.

In der Kirche

meiner nicht mehr ganz neuen, rheinisch-katholischen Quasiwahlheimat, riecht es nach abgestandenen Socken und Mensch und wie Kirchen eben so riechen. Von draußen lärmt die Bahnhofsnähe in die innere Kühle.

Wenn ich mich dort alleine fühle, zeigt sich der Hausherr. Ein vergoldeter Hochaltar steht zu seiner Ehre errichtet.
Wenn ich und er vergessen sind, dann steht der Altar für mich, ist meine Leere.

Am Eingang ein hoher, dornenbewehrter Gitterzaun. Welcher Götze wird hier nur eingesperrt... ?

Holzengel

Gegen 18 Uhr macht der Holzengelmacher Feierabend. Er baut neben der Domplatte seinen kleinen Verkaufsstand ab, einen Klappbock. Zwischen den Beinen sind drei, vier zusätzliche Streben angebracht, die mit schwarzem Samt bezogen sind. Darauf stehen kleine, einfache Holzengel, daumengroß und handgeschnitzt aus einem Stück.
Der Holzschnitzer verpackt seine Figuren sehr achtsam, fast berührt er sie mit einem Gefühl von Heiligkeit, als er sie leise mit den Flügeln klappernd in kleine Säckchen gleiten lässt - jeder Engel ein Stück Seelenarbeit.

Güte

Weisheit und Mitgefühl speisen sich aus der Quelle von selbstdurchlebtem Leiden und der Befreiung daraus. Sie sind die zwei Seiten der Erleuchtung: Mitgefühl als Einswerden mit Freude und Leid und allen Wesen und Dingen, Weisheit im Wissen um die Nichtbeständigkeit dieser Erscheinungen.
Die Güte ist wie eine Münze, durch die Weisheit und Mitgefühl in Erscheinung treten können, sie vermittelt zwischen beiden.

Die Formen der Güte sind vielfältig. Sie wirkt durch Trost und Zuspruch, oder durch Fahrenlassen und Nichthilfe. Sie ist jedoch immer darauf gerichtet, alle Wesen von ihren Leiden zu befreien - ohne denjenigen, der sich darum bemüht.

Leiden

Der Buddha lehrte über das Leiden und den Weg, der zur Aufhebung des Leidens führt. Die Frage ist nur, ob ich mein Leiden wahrhaben will. Viele vermeiden dies, indem sie es leugnen.
Der Weg heraus ist einfach und beginnt genau an diesem Punkt. Um das Leiden loslassen zu können, muss ich es akzeptieren und das Stück von mir aufgeben, dass es festhält. Je mehr ich von mir absehen kann, desto leidloser wird mein Leben sein.
Deshalb ist alles, was von dem Weg aus dem Leiden und hin zur Erlösung ablenkt, unzuträglich - Mara lässt schön grüßen.

Milena – 20. März 2000

Ungeboren bist du gegangen, warst nur für eine kurze Weile hier. Kürzer noch weiß ich um dich. Und doch bist du ein Teil von mir.

Ich sehe ein fröhliches Mädchen. Auf diesem Weg bleibt noch, dir eine letzte Tür zu öffnen, dich zu begleiten und in ein Licht gehen zu lassen, das fern am Horizont die Dunkelheit erhellt - lange habt ihr aufeinander gewartet.

Heute verlässt du ein Herz, die Erinnerung an ein nicht gelebtes Leben bleibt. Danke für dein Kommen und danke, dass du hier warst.

Altes Karma

Vor einigen Jahren sagte meine Lieblingsnonne, dass ich bereits mit 19 Jahren alt gewesen sei. Sie hat recht: Menschen, mit denen ich zu tun hatte oder habe, verschwinden aus meinem jetzigen Leben, wenn die Waagschalen ausgeglichen sind. Zusätzlich arbeite ich mein Karma durch Trennungen und Verluste, Krankheiten und Tode ab, lerne das Loslassen. Alles dies weil ich hoffe, dass es meine letzte Runde ist;-).

Altkarmatiker bekommen keine Kinder, um zu verwehen ist die Bindung an Irdisches oder Himmlisches hinderlich. Und sie wollen kein Wesen verletzen, was aber passiert, wenn sie sterben. Das Kind, egal wie alt, wird von seiner Wurzel getrennt und traumatisiert.

Das ist nur eine Weise die Welt zu sehen. In welcher Welt leben Sie?

Ehrlichkeit

Ehrlichkeit ist Mitgefühl mit mir und anderen, denn ich muss mit dem Wissen um meine Unehrlichkeit leben und weiss um diejenigen, auf deren Kosten ich unehrlich bin.

Äußerlich sind das getrennte Dinge, in der Welt der Nichtunterscheidung sind sie es nicht, denn hier gibt es niemanden, der ehrlich oder unehrlich sein kann. Die Voraussetzung dazu ist aber ein Verhalten, das mein Gewissen nicht belastet; wie sonst soll ich Frieden finden?

Das Zen der Selbstverantwortung II

Niemand ist für Ihre Arbeit zuständig.
Niemand ist für Ihre Beziehungen zuständig.
Niemand ist für Ihre Probleme zuständig.
Niemand ist für Ihre Gehalt zuständig.
Niemand ist für Ihr Sie zuständig.

Sie alleine sind dafür zuständig.

Das Zen der Selbstverantwortung

Niemand ist für Ihre Erlösung zuständig.
Niemand ist für Ihre Erleuchtung zuständig.
Niemand ist für Ihre Probleme zuständig.
Niemand ist für Ihre Freiheit zuständig.
Niemand ist für Ihr Leben zuständig.

Sie alleine sind dafür zuständig.

Alltagskreativität

Geahnt haben wir es bereits: nicht jedes Koan führt zu Kensho oder Satori. Nach dem ersten Durchbruch sind die Folgenden zu mindestens Zweierlei nützlich:

1. die geistige Flexibilität und der kreativen Umgang mit dem "Problem" wird gefördert und
2. erlernte Verhaltensmuster werden durch Offenheit ersetzt.

Die Koanpraxis ermöglicht den Abgleich im Alltag und kann, zumindest teilweise, durch Lebenserfahrung ersetzt, oder wenigstens ergänzt, werden. Soll doch der Mensch von einengenden Urteilen befreit und die erste Durchbruchserfahrung geweitet werden, so dass sie zur "offenen Weite" wird.

Simplify Buddhismus

Der Buddhismus hat bereits vor mehr als einhundert Jahren Einzug in Deutschland gehalten, aber noch immer halten wir an Ritualen fest, die einem anderen Kulturkreis entspringen und veruniformieren uns in japanischer Tracht.
Ein Dharmaverwandter bemerkte - wie ich mittlerweile finde zurecht - dass Zen ohne den kulturellen Teil, ohne die japanischen, chinesischen, koreanischen, generell ostasiatischen Einflüsse, kein Zen sei. Und dass es Zeit sei, sich die grundlegende Lehre der Drei Daseinsmerkmale (Vergänglichkeit, Leiden und Unpersönlichkeit) ins Gedächtnis zu rufen, und einen eigenen Weg zu finden.

Gut gebrüllt, ich denke, dass wir uns trotzdem auf die entsprechenden Linien berufen können, und die Überlieferung in Ehren halten. Grundsätzlich aber sollten wir uns von den Formen lösen, die im Westen wohl eher fremd sind.

Wahrheit

"Was aber, ihr Mönche, ist die edle Wahrheit vom Leiden? Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung sind Leiden; das Nichterlangen dessen, was man begehrt, ist Leiden; kurz gesagt: die fünf mit Anhaften verbundenen Gruppen des Daseins (khandha) sind Leiden."

Vor einigen Tagen war ich zu Besuch in einem Krankenhaus. Während der Visite verließ ich das Zimmer und ging zum Fenster am Ende des Gangs. Es gab den Blick auf eine Kirche frei, in der Vorbereitungen für eine Trauerfeier getroffen wurden. Der Sarg wurde aus dem Leichenwagen auf einen Rollwagen gewuchtet und in die Kirche gebracht.
Einige Minuten später schoben zwei Schwestern ein Bett mit einem Toten aus einem der Zimmer.

Im Krankenzimmer stehen drei Betten: bei der Frau im linken Bett war an diesem Tag die Beerdigung ihrer Schwester.
Die Frau in der Mitte ist nicht bei sich, steht unter Schmerz- und Beruhigungsmitteln nach einem Kreislaufzusammenbruch am Vortag.
Und die Dame ganz rechts ist alt und bereitet sich auf ihr Sterben vor.

Für diese Begebenheiten bin nur ich der Zeuge, alle daran Beteiligten sind zumindest durch mich miteinander verbunden.
Mögen wir alle glücklich sein. Mögen wir alle Frieden finden. Mögen wir alle frei von Leiden sein.

Wer bin ich?

Die meisten Menschen beantworten diese Frage mit Eigenschaften: welchen Status sie in Beruf, Gesellschaft oder im Privatleben zu besitzen glauben. Diese Einschätzung mag dem Ego schmeicheln oder nicht, mag zutreffen - oder nicht. Letztlich sind es nur Konstrukte, keine Antworten.
Denn diese findet sich im Zwischenraum zweier Vorstellungen, im gedankenverschwiegenen Sitzen, zwischen den Atemzügen.

Hekiganroku, Erstes Beispiel

Wu-Di von Liang fragte den Großmeister Bodhidharma: Welches ist der höchste Sinn der Heiligen Wahrheit?
Bodhidharma sagte: Offene Weite — nichts von heilig.
Der Kaiser fragte weiter: Wer ist das Uns gegenüber?
Bodhidharma erwiderte: Ich weiß es nicht.


Auf abendlichem Weg durch die Weihnachtsstadt, bemerkte ich mich nicht mehr, war Licht und Tannengrün, war Kräuterduft und Abendkälte. Offene Weite — nichts von heilig, wer kann da noch gegenüber sein?

Du und ich:

Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.
Mahatma Gandhi

Ich bin du und ich und die Welt. Wenn ich sterbe, dann ist die Welt nicht mehr - und du stirbst mit mir.

Mahlzeit!

In Zenklöstern ist es üblich zu den Mahlzeiten einige Sutra zu rezitieren und Jener zu gedenken, die das Mahl ermöglichen.
Vielleicht nehmen Sie sich bei der nächsten Nahrungsaufnahme die Zeit, darüber zu reflektieren. Aber selbst wenn Sie in Gedanken an einem Punkt lange vor Ihrer Geburt ankommen: Respektieren Sie die Mühe des Kochs oder der Köchin und lassen Sie den Reis nicht kalt werden.

Hinterlassenschaft

Ich habe Menschen getroffen, die nur blöd vor sich herleben und keine Vision, keinen Traum, keinen Herzenswunsch haben, womit sie sich und die Welt bereichern und nachhaltig etwas verändern können.

Eine Anschlussfrage zum gestrigen Eintrag: "Was will ich hinterlassen?"

Totensonntag

Ich denke es ist angemessen, sich am heutigen Tag eine Frage zu stellen. Sie lautet: "Was habe ich bis jetzt im Leben erreicht?"

Sie können sich denken, dass es sich nicht um Ihre monetären Verhältnisse handelt, sondern um Ihr Innenleben, Ihren Geist, Ihr Herz, Ihre Seele. Was haben Sie? Sind Sie im letzten Jahr gewachsen? Wo stehen Sie jetzt?

Achtsamkeitsübung

Wissen Sie noch, welchen Zahn Sie heute Morgen als Erstes geputzt haben? In welcher Hand hielten Sie die Zahnbürste?

Nun zur Übung: Wechseln Sie die Hand und den Zahn. Sie werden dabei viel aufmerksamer sein, versprochen.

Nullsummenspiel

Im Moment der Empfängnis wird ein Gefäß geschaffen, das einem karmischen Bewusstseinsimpuls erlaubt, sich zu verkörpern. Wenn das Leben, egal ob durch Alter, Krankheit, Früh- oder Fehlgeburt, Abtreibung, Unfall oder sonstwie beendet wird, erfüllt sich das Karma aller Beteiligten.

Begriffe wie das Entstehen in Abhängigkeit, Karma oder Wiedergeburt dienten dem Buddha als Hilfsmittel, um die Botschaft entsprechend der Auffassungsgabe seiner Zuhörer zu verpacken.
Der Weg aus Alter, Krankheit und Tod findet "innerhalb", die Erkenntnis "außerhalb" des bedingten Entstehens statt. Wenn in diesem Moment innen und außen wegfallen, was passiert mit dem Karma?

Was ist das?

Sitzend den Atem beobachtend weckt Einatem Ideen und Ausatmen schlichtet die Vorstellung, nur noch ausatmen, denn kurz vor dem Aufhören gerinnt der Gedanke, wird einzeln wahrnehmbar wie Luftblasen, bis die Überlegung versiegt und Sinne ungehindert ausbreiten: was ist das?

Simplify Religion

Dem Buddha ging es darum, sein Gepäck aus Alter, Krankheit und Tod loszuwerden. Auf dem Weg dorthin klar ist ihm geworden, dass er es nur dann schafft, wenn er sein Leben radikal vereinfacht. Nicht nur äußerlich, er musste seine innere Haltung ändern.

Je einfacher der Lebensstil, desto leichter wird dieser Prozess. Dann stehen die Chancen gut, eines Tages ohne Ballast erwachen. Erwachen heisst, dem ICH die Basis zu nehmen, auf der es steht. Ohne ICH keine Wünsche, keine Person, aber den großen Tod, wer will das schon? Wir wissen ja nicht, was uns hinterher erwartet. Vielleicht werden wir zum Zombie, oder vielleicht sind wir das bereits?

Im Zen hat das zu einer paradoxen Überspitzung geführt, die letztlich in den Koan gemündet hat. Das Selbst als Teil der Realität zu erfahren (die es selber geschaffen hat), passiert nicht einfach so, sondern setzt einen offenen und leeren Geist voraus. Das heißt nicht, den geistigen Zustand von Freilandgemüse kurz nach der Aussaat anzustreben und jegliches Denken einzustellen, sondern sich von den Gedanken zu lösen. Nicht aktiv gegen sie anzugehen und sich nicht um das Erreichen des spirituellen Horizonts eines Feldsteins zu bemühen. Das ist in etwa so, als ob ich mir keine kleinen grünen Elefanten vorstellen soll: es funktioniert nicht.

Wenn der Geist frei von gedanklichen Anhaftungen ist, dann können auch gewöhnliche Fragen die Funktion von Koan übernehmen und "alltagstaugliche" Ergebnisse liefern. Koan tragen dazu bei, dass die Umsetzung gelingt. Durch deren Bearbeitung bekommen wir Verhaltensalternativen an die Hand, doch zuvor ist es nötig, das Denken in den Bauch tiefer zu legen. Wir gewinnen erst Zugang zu den Koanstrategien, wenn Körper und Geist zusammenkommen. Das Medium dazu ist der Atem und eine Anleitung finden Sie hier.

Weltbuddhismus

Basierend auf dem Ersten der vier Bodhisattva-Gelübde, nämlich alle Wesen zu retten, scheint mir der engagierte Buddhismus diese Rettung im Äußern zu suchen. Die innere Erfahrung andererseits zeigt, dass alle Wesen in dem Moment gerettet sind, in dem ich gerettet bin. Und die Weisheit, dass es weder Innen noch Außen gibt, vereint innere Rettung und äußeres Tun, bis das Wohlergehen alles Wesen und Dinge zu meinem Wohlergehen, und mein Tod zum Untergang der Welt wird.

Der Guru-Faktor

Mit genügend Zeit und einer hohen Frustrationstoleranz ausgestatet, ist es jedem möglich, ein Buddha zu werden. Freund Shakyamuni hat es vorgemacht, nämlich ohne Lehrer den Dharma zu gewinnen. Und sein Vermächtnis war: Seid euch selber Zuflucht. Damit verliess er das Erdenrund. Welche Funktion haben dann die Erleuchteten, Lehrer und Meister?

Eine Aufgabe ist zu zeigen, dass das Erwachen möglich ist, sind sie der lebende Beweis dafür, sie inspirieren, motivieren und führen. Und sie sind der Spiegel, der wiedergibt, was vor ihm ist. Es liegt somit an demjenigen, der in den Spiegel schaut, welche Seiten er sieht. Wer sich selbst ein Licht ist, bekommt das selbstverstärkend gezeigt.

Mission ist hingegen nicht die Aufgabe von Lehrern, sondern zu warten, bis sie zum spirituellen Anleiter werden. Spiritualität funktioniert nur auf freiwilliger Basis, anders als Religion oder Konfession. Wenn Karma und Umstände dazu angetan sind, wenn "Schüler" kommen, dann ist es Zeit für sie oder ihn, das Wissen weiter zu geben.

Der bewusste oder unbewusste Versuch, sich als "Guru" zu etablieren, ist zum Scheitern verurteilt. Beispiele davon gibt es genug. Und Menschen, die alles verehren, was nach Erleuchtung aussieht, auch. Die Schieflage ist also vorhersehbar. Außerdem erzeugt sie einen (unbewußten) Druck, der (Gedanken-) Energie bindet.

Der Buddha selbst, hat sich zur "Rechten Darlegungsweise der Lehre" geäußert und mittlerweile gibt es ethische Richtlinien, die diese Schieflage und das Verhältnis zwischen "Schülern" und "Lehrern" in Einklang zu bringen versuchen. Der kulturelle und zeitliche Kontext spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die persönliche Integrität und Kompetenz des spirituellen Führers.

Es bleibt also zu hoffen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt und die Gänge und Regale im spirituellen Supermarkt etwas übersichtlicher werden.

Schlaganfallnirvana

Jill Bolte Taylor: My Stroke Of Insight - sehenswert!

Mit leeren Händen

Hier nun die versprochenen Tipps zum Händeleeren:

Beenden Sie:
• das Trinken von Alkohol,
• das Rauchen,
• die Aufnahme von Koffein in jeder Form (Schokolade, Tee, Kakao, Kaffee),
• das Essen von Zucker und Weißmehl (Etiketten beim nächsten Einkauf lesen!).

Optional:
• beenden Sie die Beziehung zu Ihrem Herzblatt, wenn sie suboptimal ist oder wird. Fangen Sie nichts Neues an.

Zusätzlich, wenn Sie in ein buddhistisches Land auswandern und in einem Kloster leben möchten:
• kaufen Sie sich ein Ticket und verschenken Sie den Rest Ihres Besitzes, Wertsachen und Bankkonto inklusive.

Die Tipps zum Füllen des Bankkontos:
• Gehen Sie zur Bank und kaufen Sie Wertpapiere. Das kann jedoch, im Gegensatz zu den ersten Tipps, in die Hose gehen.

Freiheit

Es gibt mindestens zwei Arten von Freiheit. Die eine besteht in der Wahl entweder bei McDonalds oder Burger King zu essen, rote oder blaue Mützen zu tragen, oder zwischen Benz und BMW zu wählen. Das ist die leichte Art von Freiheit, die viele Menschen mit diesem Begriff verbinden.

Die andere Art von Freiheit ist die innere Unabhängigkeit von Allem, was wir mit uns herumtragen. Diese Freiheit passt nicht in den Knochensack. Sie umfasst ihn und wird durch ihn möglich - das Universum atmet sich selbst.
Zuvor mussten wir unseren persönlichen Rucksack mit all den Vorlieben und Abneigungen entleeren, denn bei der Sitzübung kamen Dinge zum Vorschein, die wir in uns hatten: die aktuellen Anhänglichkeiten zuerst. Was "mich" ausmacht, meine Überzeugungen, Gefühle, moralische Regeln, Konditionierungen, wird durch längeres Sitzen bearbeitbar.

Dieses Loslassen ist ein endloser Prozess, denn solange wir wahrnehmen sind damit Empfindungen und Gefühle verbunden, die einen Schleier über die Realität legen. Wenn wir nicht loslassen, legen wir damit den Grundstein zu einem mehr oder weniger goldenen Käfig.

Auf der einen Seite sind es also geistige Konstrukte, die den Weg versperren. Die andere Seite ist das körperliche Verlangen. Es prägt und verändert die Wahrnehmung ebenso. "KörperGeist nichtzwei", diese Realität gilt auch hier.
Wenn wir mit leeren Händen dastehen, nur noch essen, trinken und scheißen, kann sich die Freiheit manifestieren. Jetzt sind wir bereit. Denn wenn das geistige Ich-Konstrukt abfällt, was bleibt, außer dem Wechsel von Sonne und Mond? Die Worte werden dünner, alles gewesen, nichts bleibt. Das Sein leuchtet in ständigem Werden, das Verlangen ist an der Wurzel abgeschnitten, das Feuer kühlt aus und das Herz ist frei von Schmerz, hat angstlosen Frieden gefunden.

Im nächsten Post werde ich einige Tipps geben, wie Sie die Hände leeren und das Bankkonto unter Zuhilfenahme von Umbrella-Fonts füllen. Bis dahin wünsche ich einen freundlichen Aufenthalt in Ihrer Dualität.

PS: Wissenschaftlich gesehen gibt es keine Dualität. Wir sind das Ergebnis des Urknalls. Die Unterschiede bestehen oberflächlich, letztlich ist alles Energie und Strahlung, E=mc2. Für mehr zu diesem Aspekt empfehle ich www.wisebrain.org.

Selbst

Wie entsteht das Selbst, das Gefühl einer eigenen Identität? Was tun wir, um uns selber in dieser Welt zu konstruieren?

Durch das Benennen von Zuständen spalten wir die Realität auf: gut und schön, schlecht und hässlich. Und wir spalten uns selber auf: wenn der Rücken schmerzt, oder mir die Nase juckt.
Wir brauchen Objekte, damit wir uns als Subjekte wahrnehmen können. Und daraus entsteht der Drang zum Vergleich: er hat ein größeres Auto, das ich auch haben will, mir aber nicht leisten kann. Durch dieses Verhalten entsteht wiederum Leiden und Wiedergeburt, denn wenn ich das Auto habe, dann findet sich bestimmt etwas anderes, was diesen Kreislauf in Gang hält. Wir halten unser Karma also selbst am Brennen, indem wir noch etwas Öl dazu gießen.

Die einzige Möglichkeit, dieses Leiden zu beenden, ist das Vergleichen zu beenden und damit aufzuhören, Gegenstände, Sachen, Zustände, die Dinge der Welt zu benennen und somit aufzuspalten. Gleichzeitig ist es ein Weg zu Selbstvergessenheit und Zufriedenheit.

Schwargurtzen

Wahrscheinlich liegt es an meiner Struktur: Wenn ich etwas mache, dann aber richtig, keine halben Sachen. Es muss weh tun, dann ist es gut!

Ich sitze mir schon einige Zeit die Hämorrhoiden platt, kann aber feststellen, dass es immer noch unerlebte Zustände gibt. Einige kann ich behalten, andere sind bloße Flüchtigkeiten. Solange das geschieht, habe ich den Schwarzgurt nicht verdient. Und es sieht so aus, als ob ich ihn nie tragen werde.

### SCHNITT ###

Setz dich auf das Kissen gegenüber und schau dich an. Sieh dir zu: Du bist alleine, es liegt an dir, ob du deine Zeit vertrödelst oder nutzt. Schau tiefer. Du bist alleine, es ist deine Entscheidung, wie, womit und mit wem du deine Zeit verbringst. Es gibt keine Zeit. Es gibt niemanden außer dir. Es gibt niemanden. Du bist alleine. Deine Welt. Für dich ... alleine.

Klosterregeln

dienen gewöhnlich dazu, das Zusammenleben der entsprechenden Gemeinschaft in geordnete Bahnen zu lenken. In Zenklöstern werden die Regeln durch Hierarchie und das "soziale Korrektiv" durchgesetzt. Und ich habe lange gebraucht, bis ich diese Regeln schätzen konnte.

Sie ermöglichen mir ein störungsfreies Praktizieren. Aber wie so oft entscheidet auch hier der Standpunkt darüber, ob ich die Regel für meine Zwecke nutze, oder mich durch sie eingeschränkt fühle.
Jede Ordnung erhält Machtstrukturen, trage ich durch meine Akzeptanz dazu bei? Und wie lassen sich diese Regeln im Westen umsetzen? Will ich Erholung oder Erleuchtung?

An diesem Punkt scheiden sich die Geister zum ersten Mal. Der Erfahrene weiss, dass ein gewisser Leidensdruck nötig ist, um weiterzukommen. Manch Anfänger steigt an diesem Punkt bereits aus. Letztlich darf das aber jeder selbst entscheiden, genau wie jeder für sich sitzt und für sich stirbt.

Weder Innen noch Außen

In der Zenliteratur gibt es einige Texte die berichten, wie ein Mönch erleuchtet wurde. Dieser Moment wird mit "weder innen noch außen" beschrieben und hat Shakyamuni zum Buddha werden lassen, es ist das Ziel jeder spirituellen Praxis und die letzte Wahrheit des Buddhismus, die mit Worten nicht auszudrücken und nur der Finger ist, der auf den Mond zeigt.

Die Welt ist genau so, wie sie ist, alles liegt offen vor unseren Augen und nichts ist verborgen. Es gibt weder eine dahinter liegende Realität, noch Gott, sondern nur was wir sehen, hören, fühlen, schmecken. Wenn es weder innen noch außen gibt, bin ich die Welt und die Welt ist ich und diese Sichtweise verändert die Beziehung zur Welt. Sie erlöst nicht nur von dem Drang nach Perfektion, sondern hebt den Schleier, der den Mythos der Spiritualität verhüllt, den es letztlich gar nicht gibt.

Während in der westlichen Denktradition der Dualismus von spirituellem Innenleben und äußerer Welt Einzug gehalten hat, befreit der buddhistische Standpunkt von der Illusion, das Innenleben durch spirituelle Praxis zu reinigen, um damit <hier bitte Ziel einsetzen> zu erreichen. In dem Gedränge in den Gängen des spirituellen Supermarkts geht es nur darum.

Eine Frage bleibt allerdings offen: wer erlebt denn nun "weder Innen noch Außen"?

Schwellen der Wahrnehmung

Multitasking, zwei Dinge gleichzeitig wahrzunehmen, ist hirnphysiologisch nicht möglich. Sie können nicht gleichzeitig Ihren Daumennagel ansehen und sich über das Befinden Ihres rechten kleinen Zehs klar sein. Die Aufmerksamkeit wandert von einem Objekt zum anderen, vom Hören zum Sehen zum Fühlen zum Sehen ... . Zwischen diesen Wahrnehmungsakten, wenn die Aufmerksamkeit sich dem nächsten Objekt zuwendet, es aber noch nicht erreicht hat, gibt es eine Schwelle, ein schwarzes Loch. Mit etwas Übung können Sie in dieses Loch "eintreten". Der Theravâda-Buddhismus bezeichnet dieses Erleben als "Weder-Wahrnehmung-Noch-Nicht-Wahrnehmung". Dort ist es die letzte Versenkungsstufe, auf der weder Zeit noch Raum, Dinge oder Objekt registriert werden, obwohl es noch etwas gibt, das wahrnimmt und den Dualismus aufrecht erhält. Erleuchtung ist, wenn beides, Wahrnehmer und Wahrgenommenes und auch dieses gesamte Gedankenkonstrukt, zusammen-fällt.

Laufzen

Wenn ich während der Meditation den Oberkörper bewusst leicht nach vorne beuge und das Kinn anziehe, dann wird der Geist wird schärfer. Japanisch heißt das "Shin shin fu ni", "Körper Geist un-zwei". Das liegt wohl daran, dass niemand gerne mit verknoteten Beinen nach vorne in Richtung Nase fällt, obwohl das selbst in den besten Institutionen vorkommt.

Beim Stehen, Gehen oder Laufen ist es das Gleiche: ich nehme meine Umgebung bewusster wahr und bin eher im "Hier und Jetzt". Wenn ich den Kopf und Blick etwas anhebe, dann geht diese Einheit verloren, der Kopf beginnt zu denken und zwischen sich, "mir" und den anderen zu unterscheiden.

Während des Kinhin liegt bei Vielen der Schwerpunkt zu tief; es geht darum, die meditative Haltung auch in Bewegung beizubehalten und nicht darauf zu achten, wie der Schritt gesetzt wird.
Darauf achtend und mit einem zünftigen Laufmantra ausgestattet, steht dem Laufzen nichts mehr im Weg - vielleicht treffen wir uns darauf.

Auf dem Friedhof


Foto: SqueakyMarmot

Friedhöfe zu Buddhas Zeiten ähnelten eher, Verzeihung, den heutigen Schrottplätzen: die Mönche hatten ausgiebig Gelegenheit das Verwesungsstadium von Leichen zu studieren, die dort unbeerdigt herumlagen. Die "Leichenfeldbetrachtungen" dienten dazu, die Anhänglichkeiten an das hiesige körperliche Dasein zu lösen. Wir hingegen sind auf unsere Fantasie und das Internet angewiesen, um uns ein Bild davon zu machen.

Vor einigen Tagen habe ich einen Friedhof besucht. Ich stand vor einem frischen Grab und stellte mir vor wie Marie, sie hatte vor Kurzem ihren 90. Geburtstag noch erlebt, jetzt wohl aussah.

Es gibt meines Wissens nach Niemanden, der kompetent über das Jenseits Auskunft geben kann. Das ist auch nicht nötig, denn der Buddhismus kommt letztlich ohne derartiges aus. Es gibt natürlich Übergangsstadien, die auch recht eindrucksvoll beschrieben sind, aber das letzte Ziel sind sie nicht.

Persönlich finde ich das sehr beruhigend, denn dann ist das Einzige, worum ich mich kümmern sollte, das Erwachen zum und im "Hier und Jetzt". Der Rest ergibt sich, im Doppelsinn des Wortes. Und wenn alles Nicht-Zwei ist, wer stirbt dann schon? Im besten Fall ist der Tote verweht, und das ist schon zu Lebzeiten möglich.

Jeder Tag ist ein guter Tag

Der chinesische Weise Yunmen Wenyen (864-949) hat den Ausspruch geprägt "Jeder Tag ist ein guter Tag". Sie gilt, wie es mit solchen Weisheiten nun einmal ist, auch heute noch. Es bleibt Frage, wie sie sich im Alltag umsetzen lässt. Ist wirklich "jeder Tag ein guter Tag"?

Sie sitzen bequem? Dann legen Sie bitte einmal den Gemeindebrief zur Seite und fragen sich in aller Ruhe: "Jetzt, in diesem Moment, was kann mir Schlimmes passieren?" Denken Sie dabei bitte nicht an die Vergangenheit und auch nicht an die Zukunft. "Jetzt, in diesem Moment, was kann mir Schlimmes passieren?" Ich denke die Antwort lautet "Gar nichts!".

Die Vergangenheit ist abgeschlossen, nichts kann sie zurückbringen. Und die Zukunft ist überhaupt noch nicht da, nur in unseren Gedanken. Was also bleibt ist das heute, dieser Moment, nichts anderes. Wir können nur in diesem Moment leben, nirgendwo und zu keinem anderen Zeitpunkt sonst. Erfahrungen haben unsere Gedanken geprägt, beide gehören zu einem anderen Zeitpunkt, einem anderen "Jetzt", nun sind sie vergangen und unwirklich. Genau dadurch eröffnet sich uns die Möglichkeit alles neu zu tun, neu zu fühlen, neu zu erleben, denn jeder Augenblick, jedes "Jetzt" ist neu und einmalig.

Pläne für die Zukunft haben zweifellos ihren Sinn. Auch die Trauer oder der Zorn, die sich einstellen, wenn diese Pläne nicht in Erfüllung gehen haben Sinn und stehen jedem zu. Ich denke aber, dass etwas Vertrauen in den "großen Plan", der für jeden von uns bereit liegt, den Umgang mit Veränderungen erleichtert: "Dein Wille geschehe" (und nicht meiner!). Eine Freundin hat einmal gesagt: "Erwarte nichts und sei dankbar", und darum bemühe ich mich. Wie steht es mit Ihnen?

Das Unsichere ist stets die Vorstellung von den Dingen; nach meiner Erfahrung gehen die wenigsten Dinge so aus, wie ich sie mir vorgestellt habe. Wenn sie aber eintreffen, dann bergen sie Möglichkeiten, von denen ich vorher nicht zu träumen wagte. Ich setze mich dann auf einen anderen Stuhl und betrachte die Lage von dort aus. Was kann mir jetzt, in diesem Moment, Schlimmes passieren?

Es gibt nur einen Menschen, der mich glücklich machen kann und nur einen, der mich traurig machen kann. Ich sehe ihn jedesmal, wenn ich vor dem Spiegel stehe und lerne ihn kennen. Er ist es, der mir jeden Tag zu einem guten Tag werden lässt.

Klosterleben

Pro Jahr werden in einem Zenkloster zwei 90-tägige Rückzugszeiten abgehalten. Während dieser Zeit gibt es jeden Monat eine Woche des intensiven Meditierens, eingerahmt von je einer Woche der Vor- und Nachbereitung, dazwischen eine Woche "normalen" Alltag.

Nun variiert die Zahl der Stunden auf dem Kissen von Lehrer zu Lehrer. Ich möchte auf Erfahrungen in meinem Lieblingskloster zurückgreifen. Im Schnitt haben wir an einem Normaltag sechs Stunden das Kissen bevölkert, in der Vor- und Nachbereitungszeit acht Stunden und während der Intensivwoche durchschnittlich etwa 14 Stunden. Täglich wohlgemerkt.

Zusammengerechnet ergibt das pro Monat 252 Stunden, pro Jahr 3024 Stunden und während drei Jahre, die die Ausbildung zum Priester in der Rinzai-Schule dauert, 9072 Stunden. In den Ausbildungsklöstern halbiert sich die Zeit, da der Mönch nur an den besagten 180 Tagen anwesend sein muss. 4536 Stunden also, nur für Rückzugszeiten.

Wenn ich 9072 Stunden auf zwei Stunden pro Woche umrechne, die ich mit der Gruppe sitze, dann komme ich auf knapp 87.25 Jahre. Und wenn Sie und ich täglich für etwa 25 Jahre eine Stunde meditierten, dann kommen wir auch auf diese Zahl.

Wozu die ganze Rechnerei? Nun, wir sollten entweder schneller meditieren, oder uns an den Gedanken gewöhnen sehr alt zu werden, um wenigstens aus den Kinderschuhen des Zen hinauszuwachsen.

Meditation

Wussten Sie eigentlich, dass in der Bibel, wenn Sie die drei ersten Verse rückwärts lesen, beschrieben ist, was während einer Meditation passiert?

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.Über Worte - anfangslos -
Und die Erde war wüst und leer,erlischt der Geist in lichterloser Tiefe;
und es war finster auf der Tiefe;leer von "Selbst" und "Gott",
und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.erscheint er als Erde und Himmel,
Und Gott sprach...zu danken...
1. Mose 1, 1-3Tokumei

Sogen's Wassertropfen


Foto: fotografgox

Als Giboku neunzehn Jahre alt war, trat er in das Sogenji-Kloster zur Ausbildung ein. Eines Tages war der junge Mönch damit beschäftigt, das Bad vorzubereiten. Als er glaubte, daß es bereit war, rief er Gisan Zenrai, aber als sein Meister den Zeh hineinhielt, war das Wasser zu heiß. Also befahl Gisan Zenrai seinem Schüler kaltes Wasser zu bringen.

Giboku lief los und holte kaltes Wasser. Nach einigen Gängen hatte das Badewasser die richtige Temperatur und Gisan Zenrai stieg in die Wanne.

Ohne einen weiteren Gedanken kippte Giboku einen kleinen Rest Wasser in die Ecke. Als Gisan Zenrai das sah, brüllte er ihn an: "Warum schüttest du das Wasser weg und bringst es nicht nach draußen, wo es einer Pflanze neue Lebensenergie geben kann. Wenn du es einfach wegwirfst, dann ist das sinnloses Wasser."

Die Neunzehnjährige war so reumütig über sein Verhalten, dass er schwor, nie wieder einen Tropfen Wasser zu verschwenden. Er änderte seinen Namen in Tekisui ("Ein Tropfen", "One Drop") Giboku Zenji.

In seinem Todesgedicht heißt es:

Sogens Tropfen, sechsundsiebzig Jahre lang,
Empfangen und zum Unterricht genutzt.
Niemals aufgebraucht,
Zog er frei durch Himmel und Erde.